Freitag, 11. Mai 2012

Mal unter uns – Harry Potter als Pflichtlektüre für Gymnasialstufe?

Heute erfuhr ich, dass die Tochter einer Kollegin (5. Klasse Gymnasium – die Tochter, nicht die Kollegin) demnächst Harry Potter und der Stein der Weisen als Unterrichtslektüre auf dem Plan stehen hat.

Nichts gegen Joanne K. Rowlings Buch über einen von ihr während einer Manchester/London-Zugfahrt erfundenen jungen Magier - hat das Buch doch weltweit Ruhm und für viele Mediensparten noch mehr Geld eingebracht - aber als Schullektüre der Gymnasialstufe?

Zugegeben, die Geschichte an sich fetzt, aber Joanne K. Rowlings Schreibstil ist doch eher etwas dürftig, nichts Herausragendes.

Muss an einem Gymnasium wirklich ein Mainstream-Buch wie Harry Potter als Pflichtlektüre durchgenommen werden? Wäre es nicht eher ratsam, den Schülern Autoren und Dichter näher zu bringen, nach denen sie von allein nicht googlen würden?

Was meint ihr dazu? Ist meine Meinung diesbezüglich altmodisch?

Kommentare:

  1. Hm, für eine 5. Klasse ist das fast noch vertretbar. Wenigstens wird den Schülern so Appetit aufs Lesen gemacht und ihnen selbiger nicht durch lähmend langweilige Hochliteratur versaut.
    Auch wenns pädagogisch wertvoller ist, aber wer es als Schüler Don Quijote und Sancho Pansa zu tun bekommt, der will so schnell kein Buch mehr freiwillig aufschlagen. Und auch ohne Harry Potter tummelt sich so mancher Quark auf den Lehrplänen, die allerdings als literarisch wertvoll angesehen werden. Denke da spontan an das Massensterben aus "Die Wolke" von Gudrun Pausewang. Mein Gott Walter...

    Also solange die Pflichtlektüre auch sinnvolle Bücher enthält, hab ich nichts dagegen, mal so einen Schmöker zum Spaß am Lesen dazwischen zu packen. Zumindest in der 5. Klasse. Hat vor allem den Vorteil, dass wahrscheinlich die halbe Klasse das Buch schon vorher gelesen hat :-)

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  2. Die liebe Gudrun Pausewang (beim mir waren es: „Die letzten Kinder von Schewenborn“) und Don Quijote (vielleicht sollte ich den noch einmal lesen?) sind auch mir in schlechter Erinnerung geblieben. Insofern würde ich auch lieber dafür plädieren neben der reinen Bildung auch den Spaß am Lesen zu vermitteln und Harry P. bietet immerhin einige gute Botschaften wie zum Beispiel die Wichtigkeit von Freundschaft und Familie, am Ende auch von Vergebung.

    Andererseits ist Harry P. auch sehr kindlich naiv, voller Klischees und ziemlich schwarz/weiß. Vielleicht ist das für eine fünfte Klasse trotzdem OK. Die Konzentration auf Bestzeller nimmt den Lehrern allerdings auch die Verantwortung etwas auszuwählen, das mehr kann als nur populär und einfach lesbar zu sein aber Populäres wiederum durchdringt den Abwehrschirm namens „Lesen ist doof und uncool“ einfacher.

    Fakt ist das man heute mehr tun muss um Schülern Lesekompetenz mitzugeben als sie mit alt 68ern zu ängstigen oder sie mit Klassikern zu langweilen. Ich könnte mir dazu inhaltlich und formal geeignetere Bücher vorstellen als Harry P. aber nur wenn man Lesekompetenz erarbeitet hat wird man komplexeres zu schätzten wissen. Über Inhalt und Form kann man auch noch im Unterricht diskutieren. Insgesamt finde ich es besser Kinder zu begeistern als sie abzuschrecken, für mehr ist in den 7 Schuljahren danach immer noch viel Zeit.

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  3. Von einer gewissen stilistischen Einfalt (gerade in den ersten Bänden) abgesehen, finde ich das gar keine soooo schlechte Wahl, zumal damit leichter Abwehrhaltungen durchbrochen werden können. Im Kern ist H.P. durchaus liberal (nicht im FDP-Sinne), betont den Wert von Ungehorsam und idealisiert den Gebrauch des eigenen Verstandes gegenüber tradiertem "Wissen". Das ist durchaus nicht schlecht. Sogar die FAZ lobte:

    "Denn die Autorin, deren Gesamtauflage (nach derzeitigem Stand 340 Millionen Bücher) nur von der Bibel in den Schatten gestellt wird, versucht sich an drei großen metaphysischen Fragen, auf die alle Religionen Antwort sein wollen: die nach der Grenze des Todes, nach der Macht der Liebe und nach dem Verhältnis von Schicksal und Selbstbestimmung. Die Urlehre, ja das Mantra Rowlings lautet, dass es unsere Entscheidungen sind, die uns ausmachen. Wir sind diejenigen, die wir zu sein beschließen: Helden oder Feiglinge, Freunde oder Verräter. Immer wieder stellt sie ihre Figuren vor Entscheidungen, die den Unterschied zwischen Getriebensein und dem Beschreiten eines bewusst gewählten Weges verdeutlichen."

    Für fünfte Klasse ist das doch nun mehr als genug. "Echte Hochliteratur" kann man dann auspacken, wenn die Kinder SPASS am Lesen gefunden haben.

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    1. Cool, ein schönes FAZ Zitat. Leider beantwortet sie ihre metaphysischen Fragen am Ende des siebenten Romans mit: Ach was soll’s, die Leute sind bestimmt traurig, wenn er stirbt und Fragen stellen heißt noch lange nicht sie auch beantworten zu wollen.

      Der Rest ist natürlich absolut richtig. Die stilistische Einfalt fällt speziell im Hörbuch (die neue Version von Mannteufel gelesen, ist recht gelungen) deutlich auf. Harry sagte, Ron sagte, Hermine sagte, Harry sagte usw. und so fort….

      Über den Grad der Liberalität in der Reihe habe ich noch gar nicht nachgedacht. Tatsächlich kann man das so sehen, ich finde aber das bei einigen Themen, wie die angedeutete Homosexualität Dumbledores und die Anspielungen darauf bei Rita Kimmkorn, der Must fehlte klare Statements zu machen. Mich stören aber die ewig wiederholten und immer wieder übertriebenen Klischees der Marke dick = dumm, neureich = böse/verkommen, Politiker = käuflich, Verwaltung = unmenschlich, Armut = moralisch gut. Wie im Märchen stehen ihre Figuren für Charaktervarianten und da merkt man schon klare Leitlinien, die eher mittelalterlich als modern angelegt sind. Ihr Leitbild sind die Weasleys, die mir eher in einer Zeit von vor 100 Jahren angesiedelt zu sein scheinen, das Maximum an Modernität sind dort lange Haare beim Mann. Sie verschweigt dabei das moderne Strukturen nicht, wie sie suggeriert, das Problem sind sondern die Lösung wären, um so etwas wie Voldemort zu besiegen (also besiegen wenn gerade kein Messias zur Verfügung steht).

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    2. (Ich hoffe, das war der richtige Antwortbutton)

      Was die stereotypische Darstellung (dick = dumm etc.) angeht, denke ich, resultiert das nur begrenzt aus ideologischer und vermehrt aus gestalterischer Absicht (und Unvermögen). Rowling versuchte ohne jede Erfahrung Kinder- und Jugendliteratur zu schreiben, hatte garantiert den einen oder anderen "How-To-Write"-Ratgeber zur Hand und da finden sich bedauerlicherweise derlei Ratschläge auch heute noch zuhauf. Mein Eindruck ist, daß sich das später durchaus abmildert. "Politik = käuflich" seh ich nicht so, eher Politik = Machterhalt + Angst. Das wird ja gerade wieder einmal vorexerziert, aber das Faß will ich hier doch nicht aufmachen. ;)

      Den Widerspruch zwischen Liberalität (oder besser geistiger Unabhängigkeit) und Wertkonservativismus vollzieh ich nicht nach, das sind zwei Ebenen, die sich widersprechen können, aber nicht müssen. Ich selbst bin sehr wertkonservativ, aber eben auch sehr libertär eingestellt, was Freiheit und Unabhängigkeit des Denkens betrifft. Sicherlich ist Familie Weasley ein zuweilen fragwürdiges Ideal, bringt aber auch moralisch falsche Entscheidungen und eben eine gehörige Portion Ungehorsam der Sprößlinge mit hinein, die eben ihren eigenen Kopf haben. Patriarchalisch oder matriarchalisch ist diese Familie sicher nicht in Reinform.

      An dieser Stelle möchte ich übrigens einfügen, daß ich die H.P.-Bücher eigentlich gar nicht so sehr mag...

      Was den Messias und das Messianische angeht: Hier sehe ich Genre-Konvention und die "Heldenreise" am Werk. Das sorgt für einen guten, spannenden Plot (und bei aller Stilmängel, Plots planen kann Rowling) und ist dabei immer noch weit zurückhaltender gehandhabt als im (von mir hoch geschätzten) Herr-der-Ringe mit all' seiner Blut-und-Boden-Schwere.

      To sum it up: Klar kann man etliches bemängeln, aber als Lektüre für die fünfte Klasse ist das sicherlich ideologisch-moralisch-politisch nicht bedenklicher als vieles andere und wohl besser als das Meiste an zielgruppengerechter Literatur.

      Natürlich kann man auch "Die Große Flatter" lesen lasen. Oder "Die Wolke". Oder "Als Hitler das Rosa Kaninchen stahl". Da vermittelt man vielleicht politisch korrekte Inhalte und Sichtweisen, aber garantiert keine gute Schreibe und schon gar keine FREUDE am gedruckten Wort.

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  4. Bücher berühmter Dichter istja mal übelst lahm. Wenigsten verstehen die Kinder be Harry Potter was. Ich finds super HP is nen super Buch!!

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